Bei zahlreichen Fahrzeugen des VW T6 (Baujahre 2015 bis 2021) kommt es immer wieder zu vorzeitigen und kostspieligen Motorschäden. Betroffen sind insbesondere die Modelle Multivan, Transporter, California und Caravelle. Die Schäden betreffen häufig zentrale Bauteile wie Zylinder, Turbolader, Dieselpartikelfilter (DPF), Kurbelwelle und Ölkühler. Die Reparaturkosten können dabei schnell 20.000 Euro oder mehr erreichen.
Lange Zeit blieb die Ursache dieser Motorschäden unklar. Zwar bestätigte die Volkswagen AG im Jahr 2025 im Zuge einer Anfrage der Fachzeitschrift Auto Bild, dass eine interne Feldstudie über Vertragswerkstätten durchgeführt wurde, doch die Ergebnisse dieser Untersuchung wurden bislang nicht veröffentlicht. Betroffene Kunden erhalten in Vertragswerkstätten häufig keine eindeutige Erklärung für den Motorschaden. Auch vor Gericht wird ein konstruktiver Mangel bislang bestritten.
Technische Ursache: Konstruktionsproblem im AGR-Kühler
Eine unabhängige Untersuchung durch das Institut Deeg Analytik aus dem Jahr 2026 bringt nun Klarheit. Im Gegensatz zum Vorgängermodell T5 konnten keine Aluminiumrückstände im Motoröl oder in den Zylindern festgestellt werden. Stattdessen identifizierte die Analyse ein zentrales Problem im Bereich des AGR-Kühlers (Abgasrückführung).
Der im T6 verbaute AGR-Kühler besteht zwar aus Edelstahl, weist jedoch konstruktiv zu eng ausgelegte Kühlkanäle auf. Im Laufe der Zeit lagern sich oxidierte Partikel an den Kanalwänden ab. Es entsteht eine zunehmende Verengung („Ruß-Atherosklerose"), die zu einer erhöhten Strömungsgeschwindigkeit der Abgase führt. Dadurch lösen sich Partikel, die in die Zylinder gelangen und dort einen abrasiven Verschleiß verursachen.
Schadensmechanismus: Vom Partikelabrieb zum Motorschaden
Die eingetragenen Partikel greifen die Zylinderlaufbahnen an, wodurch die Kolbenringe ihre Dichtfunktion verlieren. Es kommt zum sogenannten „Blow-by"-Effekt: Motoröl wird mitverbrannt und gleichzeitig gelangt Diesel in das Motoröl. Parallel dazu sinkt die Kühlleistung des AGR-Systems, wodurch die Betriebstemperatur des Motors steigt.
Die Folge ist eine thermische Überlastung, die zum Ölfilmabriss führt — nicht nur in den Zylindern, sondern auch an weiteren Bauteilen wie der Kurbelwelle. In untersuchten Fällen konnten Metallabriebspuren (Chrom und Nickel) im Motoröl nachgewiesen werden. Im Extremfall kann es zusätzlich zu einem Kühlwasserschlag kommen, wenn überhitzte Kühlleitungen versagen und Kühlwasser in die Zylinder eindringt.
Fehlende Prävention und Handlungsempfehlungen
Technisch wäre eine frühzeitige Diagnose möglich, etwa durch endoskopische Untersuchungen des AGR-Kühlers oder durch sensorische Überwachung der Strömungsverhältnisse. Solche Lösungen sind in anderen Fahrzeugkonzepten bereits bekannt. Allerdings fehlen entsprechende Handlungsempfehlungen für Vertragswerkstätten, da das Problem bislang nicht offiziell anerkannt wurde.
Empfehlung für Betroffene VW T6 Fahrer
Betroffene Halter eines VW T6 sollten frühzeitig handeln und ihr Fahrzeug in einer erfahrenen, freien Fachwerkstatt überprüfen lassen. Insbesondere Werkstätten mit Spezialisierung auf T6, Multivan, California oder Caravelle können typische Schadensbilder frühzeitig erkennen und bewerten.
Die Kanzlei Fuest arbeitet eng mit technischen Sachverständigen und spezialisierten Werkstätten zusammen und unterstützt Mandanten sowohl bei der präventiven Bewertung als auch im Schadensfall.
Ziel: Anerkennung der Ursache und Kostenübernahme
Ziel der laufenden Untersuchungen und rechtlichen Maßnahmen ist es, die technische Ursache der Motorschäden weiter zu belegen und eine Anerkennung durch den Hersteller zu erreichen. Dies ist die Grundlage für mögliche Ansprüche auf Kostenübernahme oder zumindest eine anteilige Beteiligung an den Reparaturkosten.
Kontakt und Beratung
Betroffene können sich jederzeit an die Kanzlei Fuest wenden, um ihre individuellen Ansprüche prüfen zu lassen und eine fundierte Einschätzung zu erhalten.
Kontaktieren Sie uns für eine kostenlose Ersteinschätzung oder rufen Sie uns an: 02151 - 6523790